Mitspielsätze

Ideen und Möglichkeiten

Kinder wollen nicht nur Musik hören. Sie haben das Bedürfnis an Musik teilzuhaben und mitzumachen. Durch Mitspielsätze im Musikunterricht können wir Kindern die Möglichkeit geben Musik zu erleben und daran teilzuhaben. Hier sind einige Ideen und Anregungen für Mitspielsätze in deinem Musikunterricht.

Inhalt

Ein Mitspielsatz zählt zum „aktiven Werkhören“ und ist untrennbar damit verbunden. Beim Werkhören hören sich die Kinder bewusst ein musikalisches Werk an und analysieren dieses bezüglich eines erarbeiteten Aspekts. Dieser Aspekt wird anschließend in ein Begleitmuster (Rhythmus oder Melodie) umgesetzt und das Werk wird damit begleitet.

Ein Mitspielsatz ist somit ein Rhythmus oder eine Melodie, mit der die Kinder auf Instrumenten ein Musikstück begleiten können. Es wird also kein Lied, sondern ein musikalisches Werk beziehungsweise ein Ausschnitt davon (z.B. Präludium des Te Deum, Donauwalzer usw.) begleitet.

Die Kinder spielen dabei auf Rhythmus- oder Melodie-Instrumenten oder sogar mit Alltagsgegenständen. Die Patterns zum Begleiten des Werks können vorgegeben oder ganz / teilweise von den Kindern erfunden werden.

Ziel ist es, wie bereits eingangs erwähnt, dass sich die Schüler*innen als Teil des Orchesters erleben und somit an der Musik teilhaben können.

Im bayerischen LehrplanPLUS für Musik der Jahrgangsstufen 3/4 ist das Durchführen eines Mitspielsatzes im Lernbereich 2 „Musik-Mensch-Zeit“ verankert.

Mitspielsätze

Mitspielsätze sind Teil des „aktiven Werkhörens“, bei dem die Kinder verschiedene, erarbeitete Aspekte analysieren und anschließend mit Instrumenten umsetzen.

Solche Aspekte können sein:

  • Hauptmotiv
  • Melodieverlauf
  • Rhythmus
  • Liedform (z.B. Rondo)
  • Tempo
  • Dynamik (Lautstärkenvariation)

Wichtig: Entscheide dich für einen Aspekt, der gut zu deinem Stück passt und nicht zu schwierig ist. Für den Anfang eignen sich das Hören und Umsetzen von Hauptmotiven, Rhythmen oder Liedformen.

In einer Mitspielsatz-Stunde wird also zunächst das Musikstück mehrfach aktiv angehört und bezüglich einer dieser Aspekte analysiert. Danach wird das Erarbeitete auf das Spielen mit Instrumenten übertragen.

Die einzelnen Aspekte genauer betrachtet

Hauptmotiv: Das Hauptmotiv ist eine, für das jeweilige Werk, charakteristische Melodie- oder Rhythmusfolge, die sich meist mehrmals wiederholt. Diese Wiederholungen sind auch das Erkennungsmerkmal, mit dem Kinder ein Hauptmotiv identifizieren können.

Wenn deine Schüler*innen bereits Erfahrungen mit dem Werkhören und dem Erkennen eines Hauptmotivs haben, kannst du sie das Motiv selbst hören und benennen lassen (z.B. Heben des Arms/Aufstehen für die Dauer des Motivs).

Für Anfänger ist es jedoch besser einen Werkausschnitt aktiv und bewusst anzuhören, der nur das Hauptmotiv enthält. Anschließend kannst du einen größeren Ausschnitt aus dem Musikstück vorspielen. Jedesmal, wenn die Kinder das Hauptmotiv hören, sollen sie für die Dauer des Motivs z.B. aufstehen oder die Hand heben.

Melodieverlauf: Beim Analysieren eines Melodieverlaufs gibst du den Ausschnitt aus dem Werk und damit die Melodie vor, die bewusst angehört werden soll (der Melodieverlauf kann natürlich auch das Hauptmotiv sein).

Die Kinder sollen hier nichts wiedererkennen, sondern die Melodie handlungsorientiert umsetzen, indem sie diese z.B. mitzeichnen. Die Kinder haben also ein weißes Blatt und einen Stift und sollen einfach zeichnen, was sie hören. Meistens werden die Kinder „Berge“ zeichnen, bei dem die Gipfel hohe, die Täler tiefe Töne darstellen.

Vor allem, wenn die Musik eine Geschichte oder ein Bild „erzählt“ kannst du Kinder auch mitmalen lassen. Sie malen also eine Szene, die sie mit der Musik assoziieren.

Rhythmus: Ein Rhythmus kann ähnlich wie ein Hauptmotiv erkannt und benannt / durch Handzeichen o.ä. angezeigt werden. Das Analysieren eines Rhythmus eignet sich besonders gut für das Thematisieren von vereinfachten oder traditionellen Notenbildern (in Lernbereich 4 des LehrplanPLUS verankert).

In diesem Beispiel siehst du zweimal denselben Takt, wobei einmal die traditionelle Notationsform mit Viertelnoten und Viertelpausen und einmal eine vereinfachte Version mit schwarzen und ausgegrauten Punkten zu sehen ist.

Mit solchen Takt-Bausteinen kann ein Rhythmus an der Tafel nachgebaut und anschließend auf Rhythmusinstrumenten gespielt werden.

Liedform (z.B. Rondo): Die Liedform Rondo kann in der Grundschule (nach Lernbereich 4 des LehrplanPLUS) in Jahrgangsstufen 3/4 thematisiert werden. Solltest du ein Musikstück in Rondoform für deinen Mitspielsatz wählen, kannst du die Form analysieren und mit Instrumenten umsetzen lassen.

Ein Rondo ist immer gleich aufgebaut: AA B A C AA. Der A-Teil ist also eine wiederholende Melodie, welche die Kinder selbst erkennen oder nach Vorspielen der Melodie wiedererkennen können (s. oben: Melodieverlauf).

Nun verknüpfst du diese Melodie mit dem A-Teil, indem du zum Beispiel Kärtchen mit dem Buchstaben „A“ austeilst. Jedesmal, wenn der A-Teil ertönt, heben die Kinder das Kärtchen hoch. Anschließend kannst du die Rondoform mithilfe von Buchstabenkärtchen an der Tafel erarbeiten.

Musikalisch kannst du die Rondoform zum Beispiel mit Rhythmuspatterns umsetzen, die immer gespielt werden, wenn Teil A ertönt.

Tempo und Dynamik: Diese beiden Aspekte sind sehr schwer zu analysieren und (wenn überhaupt in der Grundschule) in fortgeschrittenen Klassen einsetzbar. Man muss schon ein geübter Hörer sein, um Tempo oder Dynamik mitzeichnen /mitmalen zu können. Am Besten probierst du dies selbst mal aus, dann kannst du diese Aspekte besser einschätzen.

Beim bewussten Hören können Kinder, wie bereits erwähnt, wieder mitmalen oder zeichnen. Dabei entstehen zum Beispiel bei der Dynamik Berge (ähnlich dem Melodieverlauf). Das Tempo kann mit kreisenden Bewegungen des Stifts mitgezeichnet werden. Ist das Tempo schnell, malen die Kinder sehr viele „Kringel“ auf das Blatt, bei langsamen Tempi sind es weniger Kreise.

Umsetzen kannst du diese beiden Aspekte auch mit Rhythmusinstrumenten, indem eben Tempo oder Dynamik entsprechend des Stücks variiert werden. Dabei ist das Variieren der Lautstärke bedeutend einfacher als das Verändern der Geschwindigkeit. Beziehe diese Überlegungen definitiv in deine Planungen mit ein.

Mitspielsätze

Beispiel Liedform (Rondo): Die Kinder Hören das Präludium des Te Deum (Marc-Antoine Charpentier) und sollen nun die sich wiederholenden Melodieteile erkennen. Schrittweise wird die Rondoform AA B A C AA erarbeitet.

Anschließend wird zunächst mit Bodypercussion, danach mit Instrumenten ein Rhythmuspattern erlernt, welches immer dann gespielt wird, wenn der Melodieteil „A“ zu Hören ist.

Ist der Rhythmus eingeübt, wird das Musikstück also immer dann von den Schüler*innen mit Instrumenten begleitet, wenn sie die wiederkehrende Melodie hören. Natürlich spielen die Kinder nicht selbstständig. Die Lehrkraft hat hier die sehr wichtige Rolle des Dirigenten.

Die Rhythmuspatterns, die bei Teil A gespielt werden, sind entweder vorgegeben oder selbst erfunden. Für den Anfang ist das Spielen eines vorgegebenen Rhythmus natürlich leichter und daher empfehlenswert.

So oder ähnlich wie in diesem Beispiel setzt du in einer Mitspielsatz-Stunde auch die jeweils anderen Aspekte um. Am Besten für den Anfang geeignet (auch für dich selbst 😉 ) ist der Aspekt „Rhythmus“, denn die Kinder hören und analysieren einen Rhythmus, den sie dann mit Instrumenten spielen und damit das Werk begleiten.

Instrumente für eine solche Stunde können jegliche Art von Orff- oder Rhythmusinstrumenten sowie Alltagsgegenstände oder selbst gebaute Instrumente sein.

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