Das erste Jahr im Referendariat

Interview mit einer Referendarin – Gastbeitrag

Mein Name ist Katharina, ich bin seit September 2020 im Referendariat an einer Grundschule in Bayern. An einer bayerischen Universität habe ich Grundschullehramt mit dem Hauptfach Katholische Religionslehre und den Didaktikfächern Deutsch, Mathe und Kunst studiert. In meinem ersten Jahr als Lehramtsanwärterin unterrichte ich Katholische Religionslehre in den Klassen 2 und 4 sowie Kunst und Musik in einer dritten Klasse. Erst im zweiten Jahr des Referendariats bekommt man eine eigene Klassenleitung.

Meine erste Schulwoche war ein Sprung ins kalte Wasser. Das Studium bereitete mich zwar gut auf die fachlichen Inhalte in meinem Hauptfach vor, der Alltag eines Grundschullehrers kam dagegen zu kurz. Als es hieß ich muss bereits in der ersten Woche eigenverantwortlichen Unterricht halten, war ich deshalb erst einmal überfordert. Von Woche zu Woche habe ich mich dann immer mehr zurechtgefunden und mich in meinem neuen Alltag eingelebt.

Ja, ich habe noch Freizeit. Diese ist allerdings oft mit der Schule verbunden. So erzähle ich auf Treffen mit Freunden von der Schule oder schneide bei einem gemütlichen Fernsehabend nebenbei mein Tafelmaterial aus J  Das Problem beim Beruf des Lehrers ist, dass deine Arbeit kein Kollege übernimmt, wenn du dir einen Tag frei nimmst. Dies ist trotzdem sehr wichtig. Ich versuche mir einen Tag am Wochenende frei zu nehmen, um abschalten zu können. Dafür bin ich an anderen Tagen umso produktiver.

Wie bereits erwähnt, habe ich mich von Woche zu Woche immer besser zurechtgefunden. Das lag zum einen an meiner Betreuungslehrkraft, eine Lehrkraft meiner Schule die mir im ersten Jahr zur Seite steht, die mir viele Tipps für die Unterrichtsgestaltung gab und mir einen Einblick in ihre Unterrichtsmaterialien gewährte. Das gesamte Kollegium hat mich unterstützt, indem es immer offen für meine Fragen war. Das bringt mich gleich zu meinem ersten Tipp: Viele Kollegen bieten dir am Anfang ihre Hilfe an. Ich appelliere dazu, diese Hilfe vom ersten Tag an anzunehmen!

Als Refi brauchst du eine gute Organisation, sei es bei der Planung deines Unterrichts oder dem Aufbewahren von Material.

Ich war zunächst damit überfordert einen Jahresplan für jedes Fach zu erstellen. Mein Tipp: Es gibt an den meisten Schulen interne Stoffverteilungspläne, aus denen hervorgeht welcher Lernbereich in welchem Monat behandelt werden kann oder soll. Als nächstes erstellst du dir einen Sequenzplan. Du verteilst also ein großes Thema auf mehrere Unterrichtsstunden, bis du dir schließlich deine einzelnen Stundenverläufe überlegst. Sehr hilfreich sind dafür Lehrerkommentare zu Schulbüchern und Handbücher für Lehrer. Darin findest du oft Jahrespläne, Sequenzpläne sowie Stundenverläufe. Die Handbücher sind ihr Geld wert, weil du darin Unterrichtsideen und Kopiervorlagen für Arbeitsblätter findest. Viele Unterrichtsideen habe ich auch aus Instagram. Dort findest du viele Inspirationen für besonders schöne Stunden.

Deine Organisation zu Hause ist ebenfalls sehr wichtig, weil du in Bayern beispielsweise im erstem Jahr des Refs kein eigenes Klassenzimmer hast. Du bewahrst alle deine Materialien zu Hause auf. Schaffe also Platz in deinem Zimmer und lege dir viele Ordner (und eventuell auch einen Farblaserdrucker) zu. Falls du deine Materialien lieber online aufbewahrst: Schaffe Speicherplatz! Auch dein E-Mail- Postfach sollte viel freien Speicherplatz haben. Ein größerer, gut funktionierender Laptop ist generell sehr wichtig. Empfehlen kann ich auch den Worksheetcrafter*, der eine große Unterstützung für das Erstellen von Arbeitsblättern und Tafelmaterial ist. Er bietet auch eine kostenlose Arbeitsblättertauschbörse.

Zudem würde ich empfehlen einen (Lehrer-)kalender zu führen, in dem du dir wichtige Abläufe an der Schule oder auch Passwörter für Lehrerlaptops etc. aufschreiben kannst. Ich persönlich bin Fan einer Fächer- bzw. Unterschriftenmappe. In der man alle Materialien und Arbeitsblätter für einen Schultag übersichtlich ordnen kann.

Viele Tipps für einen guten Start ins Referendariat habe ich schon genannt. Einen letzten Tipp habe ich noch: Mach im Vorfeld so viele Praktika wie möglich. Sammle dabei Unterrichtsideen und beobachte, wie die Lehrkraft mit schwierigeren Kindern umgeht. Damit bist du bestens auf dein Referendariat vorbereitet. Bei allen Mühen die das Ref mit sich bringt, ist es jeden Tag eine große Freude junge Menschen unterrichten zu dürfen.

*Werbung wegen Markennennung. Wir haben aber keine Kooperation, sondern alles selbst bezahlt.

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