Prävention von Unterrichtsstörungen

Prävention von Unterrichtsstörungen

Unterrichtsstörungen unterbrechen oft erheblich den Unterrichtsfluss und reduzieren die aktive Lernzeit der Schüler*innen. Doch bereits mit einfachen, schnellen Mitteln kannst du Unterrichtsstörungen vorbeugen, sodass diese gar nicht erst entstehen. Einige der Möglichkeiten sind hier zusammengefasst.

Präventionsmaßnahmen nach Kategorien:

  1. Lehrerpersönlichkeit
  2. Classroom Management
  3. Unterrichtsqualität
Unterrichtsstörungen vermeiden

Die Lehrerpersönlichkeit ist nicht nur für ein positives Klassenklima, sondern auch für die Prävention von Unterrichtsstörungen sehr wichtig. Mit deiner Ausstrahlung und deinem Verhalten kannst du also auf die Kinder einwirken:

Selbstbewusstsein Die Kinder merken, wenn du unsicher und vorsichtig vor der Klasse stehst. Diese fehlende Autorität wird dann schnell von den Kindern ausgenutzt. Dass man aber als unerfahrene Lehrkraft oft unsicher ist, ist ganz normal. Du kannst dich und deinen Körper aber austricksen, indem du beispielsweise gerade vor der Klasse stehst und eine gute Körperhaltung hast. Schon allein dadurch wird sich deine Ausstrahlung und dein Gefühl ändern. Bleibe während des Unterrichtes nicht an einem Platz stehen, sondern bewege dich im Raum umher. Sei dir bewusst, dass du der Chef bist.

Spaß haben Trotzdem sollte dein Unterricht nicht ernst und starr sein. Du kannst ruhig zeigen, dass du auch mal lachen kannst und locker bist. Das ist gut für das Klassenklima und die Kinder lernen so gerne in deiner Klasse. Die Unterrichtsstörungen sind in einem guten Klassenklima reduziert.

Positive Haltung Dieser Punkt ist mir speziell bei schwierigen Kindern aufgefallen, die häufig gestört haben. Wenn man als Lehrkraft eine positive Haltung gegenüber allen (!) Kindern hat, reduziert das sehr deutlich die Störungen, denn die Kinder fühlen sich gesehen, wertgeschätzt und ernst genommen. Überlege dir zu Hause in Ruhe, gegen welche Kinder du vielleicht unterbewusst oder bewusst Abneigungen hast (das ist übrigens normal! Man muss nicht jeden mögen!). Gibt es solche Kinder für dich, dann schreibe für jedes der Kinder mindestens 3 positive Eigenschaften auf, die du an dem Kind schätzt und halte dir diese Eigenschaften vor Augen, wenn du merkst, dass du gerade keine positive Haltung gegenüber dem Kind hast.

Diese positive Haltung heißt nicht, dass du Unterrichtsstörungen nicht ansprechen sollst, sondern hier geht es lediglich um Respekt und Wertschätzung. Manchmal dauert es ein wenig, bis die Kinder verstanden haben, dass du sie auch nach einigen Unterrichtsstörungen oder schlechten Noten immer noch wertschätzt und ihnen positiv begegnest. Aber du wirst sehen, die Veränderung wird groß sein.

Person und Verhalten trennen Dieses Prinzip ergänzt den gerade genannten Punkt der „positiven Haltung“. Zeige dem Kind, dass du es trotzdem als Person magst und wertschätzt, auch wenn es sich in deinem Unterricht nicht korrekt verhalten hat. Dies kannst du natürlich einerseits durch deine Einstellung zeigen, die dem Kind auch nach Unterrichtsstörungen immer noch zugewandt und positiv ist (s.o.). Ganz wichtig ist jedoch, dass du ein Kind, nachdem du es ermahnt hast, zeitnah lobst und ihm wieder genauso zugewandt bist wie zuvor. Kinder, die bereits ermahnt wurden, stören nicht noch weiter nach dem Motto: „Ist ja eh alles schon verloren“. Daher kannst du Störungen vorbeugen und Motivation anregen, indem du dieses Prinzip verfolgst.

Vorher Reaktionen überlegen Überlege dir ein Repertoire bestimmter Reaktionen auf Unterrichtsstörungen, die du einsetzen könntest. Das Wissen um mögliche Reaktionen gibt dir Sicherheit und Selbstbewusstsein. Damit wirst du wiederum von den Schüler*innen anders wahrgenommen und die Störungen treten gar nicht erst auf.

Unterrichtsstörungen vermeiden

Konzentrationspausen Gerade in den unteren Klassen können sich Schüler*innen häufig nicht so lange konzentrieren. Du solltest ihnen also kleine „Konzentrationspausen“ gewähren. Durch diese Pausen beugst du auch Unterrichtsstörungen vor, die durch Überforderung und Konzentrationsprobleme auftreten können. Konzentrationspausen können in Form von Bewegungspausen, Fantasiereisen, Liedern oder Ähnlichem gestaltet sein.

Regeln Die meisten Lehrkräfte stellen zu Beginn des Schuljahres gemeinsam mit den Kindern Regeln auf. Diese sollten bestenfalls von den Kindern entwickelt und vor allem nachvollzogen und verstanden werden. Die Regeln können beispielsweise auf ein Plakat geschrieben werden. So können die Kinder unterschreiben und das Plakat kann sichtbar aufgehängt werden. So sind die Regeln für jedes Kind transparent und verständlich.

Regeln sind außerdem wichtig, damit die Kinder wissen, wo deine und ihre Grenzen sind. Erkläre deinen Schüler*innen genau was du von ihnen erwartest und warum du dies tust. Reagiere dann konsequent auf Verstöße gegen diese Regeln. Nur so kannst du Grenzen sichtbar und deutlich machen, sodass die Kinder sich an diese halten können.

Hinter die Kulissen blicken Manchmal hängen Unterrichtsstörungen mit Problemen im familiären oder sozialen Umfeld der Kinder zusammen. Manche Kinder erhoffen sich, durch Störungen deine Aufmerksamkeit zu wecken. Um diese Art der Störungen vorzubeugen, solltest deine Schüler*innen im Blick behalten und so mögliche Probleme erkennen und ggf. nachfragen. Es gibt außerdem eine Vielfalt an Methoden, die du nutzen kannst, um Probleme zwischen deinen Schüler*innen zu beachten und zu lösen, z.B. durch Kummerkästen, Sorgenfresser o.ä.

Kennenlernen Sich gegenseitig kennenzulernen stärkt nicht nur das Schüler-Lehrer-Verhältnis, sondern auch die Beziehung deiner Schüler*innen untereinander und ist somit wieder positiv für das Klassenklima. Ziel ist, dass sich die Kinder in der Klasse wohlfühlen und dort gerne lernen. Ermögliche also deinen Schüler*innen am Schuljahresanfang sich gegenseitig und dich auch persönlich kennenzulernen und stärke die Klassengemeinschaft.

Übersichtlichkeit Um eine Ablenkung der Schüler*innen vom Unterricht und damit eine Störung zu vermeiden, solltest du dein Klassenzimmer und deine Tafel strukturiert und übersichtlich gestalten. Das Klassenzimmer sollte also auf der Tafelseite nur die wichtigsten Infos enthalten. Auch auf der Tafel sollten möglichst nur Materialien hängen, die Gegenstand des aktuellen Unterrichts sind. So können sich die Kinder besser auf den Lerngegenstand konzentrieren und sind nicht abgelenkt.

Unterrichtsstörungen vermeiden

Motivierende Stunden Eine der effektivsten Methoden, um Unterrichtsstörungen vorzubeugen ist die Durchführung motivierender Stunden. Motivierte Schüler*innen wollen gerne an deinem Unterricht teilnehmen und die Störungen reduzieren sich. Motivierend sind dabei vor allem Stunden, die das Interesse und die Neugier der Kinder wecken, also aus ihrer Lebenswelt stammen. Natürlich haben nicht alle Stunden einen direkten Lebensweltbezug. Du kannst jedoch versuchen, den Bezug zur Lebenswelt immer mal wieder herzustellen.

Dafür kannst du beispielsweise Stundeneinstiege motivierend gestalten (Beispiele für problemorientierte Einstiege findest du auch hier) und so einen Lebensweltbezug herstellen. Auch die Stunde an sich kann in eine kleine Geschichte oder Aufgabe eingebettet sein (Rechengeschichten, Lesespuren o.ä.), die die Kinder zum Lernen motiviert. Am Besten achtest du auf die Interessen der Kinder oder fragst danach und vielleicht kannst du diese ja kreativ in deinen Stunden berücksichtigen.

Das Wichtigste aber ist: Wenn du begeistert und motiviert bist, sind es deine Kinder auch! Begeisterung ist ansteckend!

Stundenplanung Präventiv wirkt auch eine gute und strukturierte Stundenplanung, die du auch im Kopf haben solltest. Nur, wenn du einen Plan von dem Ablauf der Stunde hast, kannst du strukturierten Unterricht halten. Die Struktur kannst du zudem noch transparent machen, indem du Tages- und Stundentransparenzen (=Ablauf des Tages/der Stunde) an die (Seiten-)Tafel hängst. Eine gut geplante und strukturierte Stunde beugt Störungen vor, da alles genau geplant und vorbereitet ist und somit für Kinder unklare Phasen oder kleine Pausen zwischen verschiedenen Phasen ausbleiben. Die „Zeit“ für Unterrichtsstörungen und Unterbrechungen aufgrund von Unklarheiten, Unverständnis oder Langeweile fehlt hier also.

Präsenz zeigen Wie bereits in Kategorie „Lehrerpersönlichkeit“ angesprochen hilft es enorm, wenn du im Klassenraum Präsenz zeigst und nicht immer an einer Stelle stehen bleibst. Wenn ein Kind nur ein wenig laut ist oder nicht aufpasst, kannst du dich auf dieses Kind zubewegen. Schon diese Handlung kann weitere Störungen unterbinden. Beachte aber dabei: Das alles muss „nebenbei“ passieren, also ohne Unterbrechung des Unterrichtsflusses, denn der Störung soll keine Aufmerksamkeit zukommen. Du kannst so auch „nebenbei“ das Kind am Spielen mit einem Stift oder Ähnlichem hindern.

Kognitive Aktivierung Um Unterrichtsstörungen vorzubeugen, solltest du möglichst alle Kinder in deinen Unterricht mit einbeziehen und sie kognitiv aktivieren. Das erreichst du durch Methoden, bei denen alle Schüler*innen aktiv sein müssen. Die Think-Pair-Share-Methode (zunächst alleine überlegen, dann mit dem Partner und zum Schluss mit dem Plenum austauschen) ist ein Beispiel dafür.

Kleinschrittiger Unterricht Um alle Schüler*innen anzusprechen und abzuholen, solltest du deinen Unterricht möglichst kleinschrittig planen und halten. Aufgaben und neue Themen werden also langsam, Schritt-für-Schritt erklärt, sodass alle Schüler*innen die Chance haben, deinem Unterricht zu folgen. Bei manchen Stunden bietet es sich beispielsweise an, die Erklärung durch passende Symbole oder Bilder anschaulich zu unterstützen, was gerade für schwächere Kinder wichtig sein kann. So vermeidest du Unterrichtsstörungen aufgrund von Überforderung der Kinder. Gehe auch bei jedem neuen Thema davon aus, dass die Kinder keinerlei Vorwissen haben und plane demnach deinen Unterricht.

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