Problemorientierte Stunde

Aufbau und Planung

Gerade in HSU bieten sich problemorientierte Stunden an. Die Schüler und Schülerinnen sollen hier ein Problem erkennen, bevor gemeinsam Lösungen erarbeitet werden. Damit sind die Kinder aktiv am Lernprozess beteiligt und gestalten diesen mit. Der Aufbau einer problemorientierten Stunde sowie die einzelnen Komponenten sind hier zusammengefasst.

Der Ablauf problemorientierter Stunden ist grundsätzlich immer ähnlich. Daher kann man die Reihenfolge der Unterrichtsphasen so festlegen:

  1. Einstieg
  2. Fragestellung
  3. Vermutungen
  4. Lösungsplanung
  5. Problemlösung
  6. Auswertung/Sicherung
  7. Vertiefung
Einstieg in eine problemorientierte Stunde

Der Einstieg kann vielfältig gestaltet sein. Er muss jedoch auf das Problem hinführen, das die Schüler*innen in dieser Stunde lösen sollen. Der Einstieg endet also mit einer Fragestellung. Um auf die Frage hinzuführen musst du den Kindern das Problem verdeutlichen, also einen kognitiven Konflikt auslösen.

Das schaffst du, indem du beispielsweise ein Bild mit offensichtlichen Fehlern / einer Verfremdung zeigst. Du könntest also das Bild eines Pinguins zeigen, der friert. Oder das eines Bibers, der mit Taucheranzug und Flossen im Wasser schwimmt.

Du kannst aber auch eine kurze Geschichte erzählen, in der die Problemstellung offensichtlich wird. Beispiel: 2 Kinder spielen im Wald, Kind 1 wirft sein Kaugummipapier weg, obwohl Kind 2 das nicht gut findet. Kind 1 erklärt, dass dieses Papier den Wald wenigstens bunt macht.

Manchmal reicht jedoch auch eine provokante Aussage: Ich mag den Winter. Da kann man stundenlang Eichhörnchen beobachten, die von Baum zu Baum hüpfen.

Der Einstieg kann aber auch durch ein Experiment gestaltet sein, welches eine Fragestellung aufwirft. Beispielsweise könntest du eine Kerze nehmen und ein Glas umgedreht darüber stellen. Die Kerze wird ausgehen.

Mit diesen Möglichkeiten werden die Kinder oft sogar ohne weitere Impulse die Fokusfrage stellen können.

Für den Einstieg und die anschließende Fokusfrage ist zusätzlich wichtig:

  • Der Einstieg soll der Lebenswelt der Kinder entstammen
  • Schülervorstellungen sollten berücksichtigt werden

Wenn du diese beiden Aspekte beachtest, ist der Einstieg sehr motivierend und interessant für die Kinder. Sie werden gerne und aufmerksam am Unterricht teilhaben (Dies ist ganz nebenbei auch eine Prävention für Unterrichtsstörungen).

Schülervorstellungen solltest du vor einer problemorientierten Stunde abfragen, um besser darauf eingehen zu können. Vorstellungen kannst du subtil in Gesprächsrunden oder offen abfragen, indem du deine Kinder z.B. auf ein weißes Blatt zu einem Thema malen oder schreiben lässt.

Die Reaktivierung, also die Vorwissensabfrage kann entweder vor deiner Hinführung zur Problemstellung oder nach der Fokusfrage und den Vermutungen eingefügt werden. Hier musst du selbst entscheiden, ob und wo dies sinnvoll erscheint.

Fokusfrage einer problemorientierten Stunde

Die Fokusfrage schließt sich an den Einstieg an. Die Frage sollte von den Schüler*innen gestellt werden, denn nur so kannst du sicher sein, dass deine Impulse funktioniert und die Kinder das Problem erkannt haben.

Die Fokusfrage soll möglichst nahe an der Lebenswelt der Kinder sein. Also die Frage, die sich deine Schüler*innen tatsächlich stellen. Nur so kann die Fokusfrage Motivation und Interesse für deine Stunde hervorrufen.

Das Aufschreiben der Vermutungen ist wichtig, damit die Kinder einerseits über die Frage und die Lösung nachdenken und andererseits, um am Ende der Stunde den Lernfortschritt zu visualisieren. Daher sollen Vermutungen immer schriftlich notiert werden.

Jedes Kind soll eine Hypothese aufstellen und diese auf einen Zettel schreiben. Entweder der Zettel kommt danach in die Hosentasche / unter das Federmäppchen oder sie werden an die linke Tafelseite geheftet.

Das Wichtigste ist, dass die Kinder ihren Zettel am Ende der Stunde (nach der Sicherung) wieder bekommen und mit einem roten Stift (oder einer anderen Farbe) die Hypothese verbessern. Die Verbesserung zeigt den Lernfortschritt an, es ist also ein Erfolg, seine Vermutungen berichtigen, ergänzen oder abhaken zu können. Mach dies auch deinen Schüler*innen klar, dass sie auf eine Verbesserung stolz sein können, da dies bedeutet, dass sie etwas dazugelernt haben. Es ist also kein Fehler oder Makel!

Aus Nachhaltigkeits- und Umweltgründen habe ich mich dazu entschieden, kleine DinA5 und DinA6 Zettelchen zu laminieren, auf die die Hypothesen mit Folienstift geschrieben werden. So verbrauchst du nicht jedes mal Unmengen an Papier.

Wie und ob du die Vermutungen in der Klasse besprichst, kannst du individuell entscheiden.

Während der Phase der Lösungsplanung machen die SuS Vorschläge, wie das Problem gelöst werden könnte. Dafür können sie Quellen nennen (Internet, Bücher o.ä.), in welchen nachgeschlagen werden kann. Auch das Durchführen von Experimenten kann oft als Vorschlag genannt werden. Im Sinne der Vorbereitung auf wissenschaftliches Arbeiten solltest du mit den Kindern hier bereits den Aufbau eines passenden Experiments erarbeiten.

Dazu müssen die Regeln für das Experimentieren besprochen werden sowie die genaue Durchführung. Was erhofft man sich von dem Experiment? Welches Ziel hat man bei der Durchführung? Wenn du verschieden Variablen hast (z.B. bei einem Experiment zur Frage: „Was braucht die Pflanze, um zu wachsen?“) solltest du mit den Kindern erarbeiten, dass immer nur eine Variable verändert werden darf. Du kannst also nicht eine Pflanze in einen dunklen Raum stellen und zusätzlich nicht gießen.

Während der Lösungsplanung kannst du auch die einzelnen Schritte (z.B. Gruppe finden – Station bearbeiten – Forscherheft ausfüllen – Zusatzaufgaben machen – Ergebnisse präsentieren o.ä.) als Transparenz mithilfe von Wort-/Bildkarten an der Seitentafel visualisieren. Somit behalten deine Schüler*innen den Überblick.

Die Problemlösung kann vielfältig gestaltet sein. Hier kannst du einen Unterricht mit Station- oder Gruppenarbeit machen, ein Forscherheft anlegen lassen, einen außerschulischen Lernort besichtigen oder viele andere Formen der Erarbeitung durchführen. Wichtig ist nur, dass dein Unterricht auch auf Lösung des Problems hinführt.

Vor allem für komplexere Themen bietet es sich an, eine Zwischensicherung einzubauen. Außerdem solltest du als Lehrkraft deine Schüler*innen im Blick haben und ihnen gegebenenfalls Tipps geben können (Schön wäre hier natürlich auch eine „Tipp-Kartei“ für jede Aufgabe).

Nun werden die Ergebnisse des Unterrichts ausgewertet und gesichert. Auch diese Phase kannst du frei gestalten, jedoch sollte am Ende ein Merksatz (am besten von den Kindern) formuliert werden. Zuvor stellen die Kinder jedoch erstmal ihre Ergebnisse vor und werten diese im Plenum aus. Natürlich sollte dies immer mit Blick auf die Fokusfrage geschehen, die ja am Ende mit dem Merksatz beantwortet werden soll.

Ob du nur den Merksatz aufschreibst oder mit den Kindern einen Hefteintrag gestaltest, ist wieder abhängig von der Stunde und der verfügbaren Zeit.Wenn die Kinder mit Arbeitsblättern oder Forscherheften arbeiten, kannst du dort am Ende einfach Platz für einen Merksatz einfügen. Diesen können die Kinder am Ende der Sicherungsphase einfach aufschreiben.

Am Ende dieser Phase sollen die Kinder dann ihre Vermutungen verbessern (s.o.) und so das Gelernte zum ersten Mal einsetzen.

Die Vertiefung ist ein relativ kurzer, aber wichtiger Abschnitt deiner Stunde, denn hier wenden die Kinder das zuvor Gelernte an. Dabei kannst du entweder das Thema der Stunde vertiefen, das Thema ausweiten oder einen Transfer gestalten.

Vertiefung: Hier gehst du näher auf dein Thema der Stunde ein und besprichst beispielsweise noch einmal genauer einen Sachverhalt, ein Experiment oder ähnliches.

Ausweitung: Du zeigst weitere Aspekte deines Themas auf, die in der Stunde bislang nur am Rande / nicht besprochen wurden.

Transfer: Das Gelernte wird auf einen neuen Themenbereich angewendet. Beispielsweise können mit dem Wissen, dass im Wald Tiere auf Bäumen oder in der Humusschicht leben, Regeln für das Verhalten im Wald (Wir bleiben auf den Wegen; Wir schreien nicht; Wir machen keine Pflanzen kaputt; usw.) besprochen werden.

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