Schreibschrift-Kurs SAS

Schreibschrift-Kurs SAS

Wenn Kinder in die Schule kommen, wollen sie möglichst schnell schreiben und lesen lernen. Besonders stolz sind sie dann auf die ersten Wörter in Schreibschrift. Spätestens jedoch in den weiterführenden Schulen schreibt ein Großteil der Kinder wieder Druckschrift, und die Lehrer/innen beklagen die dramatische Abnahme von Schreibtempo und Leserlichkeit der Handschrift (siehe STEP-Studie 2019).

Liest man die Studie und betrachtet man den Schulalltag, stellen sich die Fragen:

Was läuft falsch?

Können wir als Lehrerinnen und Lehrer überhaupt etwas tun, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken?

Wie gelingt es uns, die Schreibschrift so zu vermitteln, dass sie von unseren Schülerinnen und Schülern dauerhaft und gern verwendet wird?

In meiner mehr als zwanzigjährigen Zeit als Lehrerin in Klasse 1 und 2 konnte ich verschiedene Schreibschriften und Schreibschrift-Lehrgänge ausprobieren – mit all ihren Stärken und leider auch Schwächen.

Egal, für welche Schrift (SAS (Schulausgangsschrift) oder VA (vereinfachte Ausgangsschrift)) und welchen Schreibschrift-Lehrgang man sich entscheidet, das Zauberwort heißt immer SCHREIBFLUSS. Das ist die Basis – davon hängt langfristig die Schreibmotivation ab. Aus dieser Erkenntnis heraus habe ich einen Schreibkurs entwickelt, der zum Ziel hat, den Schreibfluss und damit die Schreibmotivation zu fördern.

Ziel des Schreibkurses: Schreibfluss, und damit Schreibmotivation, fördern!

Dabei habe ich die „Stolpersteine“ in den Blick genommen, die für die Überforderung vieler Kinder verantwortlich sind:

  • Welche Buchstaben sind besonders anfällig für Fehlformen?
  • Wie flüssig gelingen die Verbindungen zwischen den einzelnen Buchstaben?
  • Wie gut finden die Kinder den Start- und Haltepunkt für den jeweils nächsten Buchstaben?
  • Ist das Material klar strukturiert und immer gleich aufgebaut, damit alle Kinder selbstständig und ohne Reizüberflutung (Bilder, Verzierungen, Farben…) damit arbeiten können?

Unabhängig vom Schreibschrift-Lehrgang sind weitere Überlegungen wichtig für den Erfolg der verbundenen Schrift:

  • Wird die Schreibschrift früh genug eingeführt oder ist die Druckschrift schon als Handschrift gefestigt?
  • Ist die Schreibhaltung so, dass sie auf Dauer ein entspanntes Schreiben ermöglicht?

Den Link zum Kurs (und Vorschau-Bildern des Materials) findest du am Ende des Beitrags!

Warum Schulausgangsschrift (SAS)?

Vor Beginn des Lehrganges seht die Entscheidung für die Art der Schreibschrift. Derzeit gibt es für die verbundene Schrift zwei Möglichkeiten:  

VA = Vereinfachte Ausgangsschrift und SAS = Schulausgangsschrift.

Der wesentliche Unterschied besteht im Start- und Haltepunkt der Kleinbuchstaben:

Bei der VA beginnen die Buchstaben am oberen Mittelband:

Bei der SAS beginnen die meisten an der Grundlinie.

Diese Grundlinie ist die einzige Linie, die bei allen Lineaturen (1-4) besteht und somit sichtbar ist. Das Mittelband jedoch entfällt ab Lineatur 4. Die Kinder müssen es sich vorstellen, sich also “in der Luft“ orientieren:

Vielen Kindern, besonders denjenigen mit Raum-Lage-Problemen, fällt deshalb die SA####S mit der Orientierung an der Grundlinie leichter:

Ein weiterer großer Vorteil der SAS sind die Buchstaben e, s, und t, da sie weniger Möglichkeiten für Fehlformen bieten als e, ss, und t der VA.

Aber: Das ß der SAS hingegen, wird optisch meiner Erfahrung nach häufig zum B. Außerdem wäre es eine weitere Ausnahme, da der Anstrich bis an den oberen Zeilenrand führt. Deshalb wird in diesem Kurs das ß mit Anstrich nur bis zum Mittelband verwendet:

Buchstabenverbindungen trainieren= Schreibfluss fördern

Dieses Grundprinzip der SAS, dass von der Grundlinie aus zum nächsten Buchstaben gestartet wird, hat jedoch Ausnahmen. Sonderstellungen haben diese Buchstaben:

Sie enden am oberen Mittelband und zwingen damit den jeweiligen Folgebuchstaben, an diesem Punkt – also nicht an der Grundlinie – zu beginnen. Dadurch ergeben sich Variationen der Buchstabenverbindungen, was zu Problem führen kann: Die Kinder müssen jedes Mal neu überlegen, wie es jetzt weitergeht. Der Schreibfluss gerät ins Stocken, das Schriftbild leidet und damit letztlich auch die Schreibmotivation. Spätestens in der 5.Klasse wird frustriert wieder auf Druckschrift umgestellt.

Deshalb liegt der der Schwerpunkt dieses Schreibschrift-Kurses – neben der fundierten Vermittlung der Buchstaben – auf dem Training eben dieser Buchstabenverbindungen.

Besonders wichtig ist dabei, den Schülerinnen und Schülern die Besonderheit der Haltepunkte bei A, F, H, b, o, r, v, w und x  immer wieder bewusst zu machen.

Um eine Automatisierung dieser Verbindungen zu erzielen, werden diese im Schreibschrift-Kurs bereits mit der Einführung der jeweiligen Buchstaben fundiert geübt. Meiner Erfahrung nach, wird dadurch der Schreibfluss optimiert, und die Kinder haben Spaß am Schreiben.

Früh übt sich: Einführung der Schreibschrift fördert Schreibmotivation

In den deutschen Schulsystemen werden in den ersten beiden Schuljahren eine Leseschrift (= Druckschrift) und eine Schreibschrift (= die verbundene Schrift) vermittelt. Aus graphomotorischer Sicht sind das zwei verschiedene Schriften. Die zuerst gelernte der beiden Schriften hat die Tendenz, sich als Lese- und Schreibschrift zu etablieren. Aus diesem Grund sollte nicht zu lange beim Schreiben der Druckschrift (=eigentliche Leseschrift) verharrt werden.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es nach einem halben Jahr Druckschrift bereits Mitte der ersten Klasse sinnvoll sein kann, die Schreibschrift einzuführen.

Der Vorteil dieses straffen Zeitplans:

  1. Schwächere Schüler/innen haben beim Schreibschrift-Kurs erneut die Möglichkeit, den Buchstaben zu sichern.
  2. Starke Kinder bzw. Kinder, die bereits lesen können, müssen nicht lange bei einem ihnen schon bekannten Buchstaben verweilen, die Gefahr der Unterforderung ist minimiert.

Die zeitliche Nähe des SAS-Kurses zum Druckschriftlehrgang erweist sich meiner Erfahrung nach deshalb als sehr lernfördernd.

Einsatz des Schreibschrift-Kurses im Unterricht:

Für die Einführung der Schreibschrift gibt es natürlich vielfältige Möglichkeiten.

Im Praxisteil beschreibe ich ausführlich, wie ich die Einführung der jeweiligen Buchstaben und die anschließenden Übungsphasen gestalte.

Um die Schreibschrift vorzubereiten, kann man bereits in der Druckschriftphase Vorübungen machen: Kurz vor der Einführung der Schreibschrift können die Kinder bereits mit Rechtsneigung – also kursiv – Druckschrift schreiben.

Aufbau des Materials

Die Kopiervorlagen beginnen mit Schwungübungen, die sich auf 10 Din A5-Seiten erstrecken.

Danach folgen 51 Seiten SAS-Lehrgang: Zu jedem Buchstaben eine Seite, dazwischen immer wieder Übungsblätter mit Wörtern und Sätzen aus den bisher gelernten Buchstaben.

Ergänzend dazu sind die Buchstaben als Tafelmaterial angefügt.

Zusätzlich ist jeweils eine Seite ABC  bzw.. abc als Lernübersicht angefügt. Die Kinder können hier die Buchstaben markieren, die sie schon erarbeitet haben.

Zeilenblätter in unterschiedlichen Größen und Formaten runden das Übungs- oder Differenzierungsmaterial ab.

Um zum Material zu gelangen, klicke hier!

Egal, für welche Schrift ihr Euch entscheidet oder welchen Lehrgang ihr verwendet: Das Schreibenlernen zu begleiten ist eine herausfordernde, wertvolle und freudvolle Aufgabe.

Viel Spaß dabei 😊!                                                 

Eure Sabine Schütz

2 Kommentare

  • Christine

    Liebe Sabine,

    mit viel Interesse habe ich deinen Beitrag SCHREIBSCHRIFT-KURS SAS gelesen, bin aber über eine Sache gestolpert. Das „t“ in deinem Material ist das der LA. Ist das Absicht? Denn so könnte ich dein Material beispielsweise nicht mit meinen Materialien ergänzen, da unser „t“ anders ist.

    Viele Grüße,
    Christine

    • grundschul-universum

      Liebe Christine,
      ja, das ist Absicht. Ich habe immer wieder feststellen müssen, dass das eigentliche t der SAS zu Fehlformen führt (sieht dann oft aus wie ein „A“) und dadurch das Schriftbild leidet. Das Ziel soll immer sein, dass die Kinder gerne und flüssig eine verbundene Schrift schreiben. Meiner Meinung nach ist es dafür aber wichtig, weniger fehleranfällige Buchstaben zu schreiben. Die meisten Lehrpläne (z.B. auch der bayrische) lassen diese Varianten des t ausdrücklich zu! 🙂
      Liebe Grüße
      Sabine

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