Musik in der Grundschule

Überblick über das Fach

Vor allem fachfremden Lehrkräften und Lehramts-Anwärter*innen für das Schulfach Musik in der Grundschule kann ein Überblick über das Fach helfen, sich darin zu orientieren. Daher haben wir neben einem Blick in den LehrplanPLUS Bayern auch Unterrichtsideen und Link-Tipps gesammelt.

Überblick LehrplanPLUS Bayern

Der LehrplanPLUS ist in 4 Lernbereiche aufgeteilt, die in allen vier Jahrgangsstufen gleich sind. Lediglich die Inhalte werden erweitert und variieren:

Beachte jedoch, dass die 4 Lernbereiche nicht getrennt voneinander betrachtet werden sollten, denn die meisten Musikstunden thematisieren mehrere Kompetenzbereiche.

Lernbereich 1

Sprechen-Singen-Musizieren

Singen

Wie schon in der Kurzbeschreibung sichtbar ist das Singen hier ein großer Aspekt. Die Kompetenzerwartungen sind hier für alle vier Jahrgangsstufen nahezu gleich (siehe LerplanPLUS). Inhalte für das Singen sind somit beispielsweise:

  • Unterschiedliche Lieder (auswendig) singen
  • Stimmbildungsübungen (Einsinggeschichten, kleine Übungen)
  • Zeichen und Hilfen erlernen (Gesten, Noten usw.)
  • Nur 3/4: Zusätzlich Intonationsübungen (Melodieverlauf)

Damit kannst du also Stunden zum Singen von Liedern planen, die beispielsweise saisonal oder thematisch passend (fächerübergreifend) sind. Eine Beispielstunde für eine Liedeinführung erscheint bald.

Gerade im Grundschulunterricht hast du als Lehrkraft aber die Möglichkeit, Lieder im Tagesverlauf zur Rhythmisierung oder Strukturierung, sowie als Rituale einzusetzen. Beispielsweise kannst du ein Begrüßungslied oder -rap sowie (Bewegungs-) Lieder nach anstrengenden Stunden zur Auflockerung einsetzen.

Beispiele für Lieder und Umsetzungsmöglichkeiten findest du hier:

Natürlich findest du auch in allen gängigen Liederbüchern für die Grundschule passende Lieder und manchmal sogar Umsetzungsmöglichkeiten.

Musizieren

Das Musizieren bezieht sich vor allem auf die Gestaltung und Begleitung von Liedern und Werken mit Musikinstrumenten. Neben Orff-Instrumenten können dies auch Boomwhacker oder Alltagsgegenstände/selbst gebaute Instrumente sein.

Musizieren kann im Kontext der Begleitung von Liedern oder Werken (Mitspielsätze) stattfinden. Jedoch können auch Gedichte instrumental umgesetzt oder begleitet werden. Auch das Erfinden von Musik oder das Spielen von Instrumentalstücken ist hier Lehrplaninhalt.

Wichtig hierbei ist die Einführung der richtigen Spielweise (zum Beispiel Schlägelhaltung), die nicht vorausgesetzt werden kann. Auch auf Rechtshänder und Linkshänder sollte beim Spielen auf Orff-Instrumenten geachtet werden.

Gerade bei der Einführung der Stabspiele (Xylophon, Glockenspiel, Metallophon) bietet es sich an, die Kinder erstmal „probieren“ zu lassen. Dafür brauchst du auf den Stabspielen die Stäbe c, d, e, g und a (Pentatonik c-Dur). Alle anderen Stäbe werden herausgenommen. Nun können die Kinder (alleine oder zu zweit an einem Instrument) in einem beliebigen Rhythmus die verbleibenden Stäbe spielen – das Zusammenspiel aller Töne wird sich immer „gut“ anhören.

Sprechen

Der Aspekt Sprechen bezieht sich vor allem auf das rhythmische Sprechen von Stücken oder Übungen. Sprechstücke oder Rhythmusübungen, die das Sprechen mit Bodypercussion verbinden, eignen sich hervorragend zum Einführen und Üben verschiedener Rhythmen und Notenwerte.

Sprechstücke mit begleitender Bodypercussion sind aber (wie bereits erwähnt) auch beliebt für den Stunden-/Tagesbeginn (Begrüßungs-Rap).

Besonders geeignet sich Sprechstücke und Rhythmusübungen für das Erlernen von Rhythmen, die für anschließendes Instrumentalspiel benötigt werden. Der Rhythmus wir zunächst mithilfe von Sprachbausteinen gesprochen und dann auch mit Bodypercussion umgesetzt. Soll eine Gruppe beispielsweise immer den Grundschlag eines Taktes mit den Claves spielen, kann dafür der Sprachbaustein „Bär“ herangezogen werden. Die Kinder sprechen Bär solange, bis die den Rhythmus verstanden haben. Anschließend klatschen sie bei jedem „Bär“ einmal in die Hände.

Haben die Kinder diese Koordinations- und Rhythmusübung gut gelernt, kann man mit dem Musizieren weitermachen. Die Kinder sprechen also „Bär“ und spielen dabei jedesmal einmal die Claves. Das Sprechen dazu kann dann nach und nach leider werden oder nur noch in Gedanken passieren.

Du siehst, dass sich die Bereiche Sprechen, Singen und Musizieren nie genau abtrennen lassen, sondern alle zusammen nötig sind. Wie aufgezeigt kann eine Stunde zum Liedersingen und begleiten zum Beispiel alle 3 Komponenten enthalten. Die Bereiche sind also nie getrennt voneinander zu betrachten, vielmehr sollen sie sich gegenseitig stützen und aufeinander aufbauen.

Lernbereich 2

Musik-Mensch-Zeit

In Lernbereich 2 geht es vor allem um das Arbeiten mit bereits vorhandenen Werken und deren Hintergründe und Wirkungen.

Eine wichtige Kompetenzerwartung ist das „Werkhören“, bei dem die Kinder ein bereits erarbeitetes Werk wiedererkennen oder ein neues Werk auf sich wirken lassen sollen. Dabei sollen die Kinder lernen, ihre Höreindrücke und Gefühle beim Hören zu schildern.

Dies muss vor allem in den unteren Jahrgangsstufen zunächst mehrfach und anhand von Hilfsmitteln (Satzanfänge, Gefühlkarten) geübt werden. In Klassen 3 und 4 sollen überdies Werke anhand erarbeiteter Aspekte beschrieben werden. Solche Aspekte können sein: Rhythmus, Tempo, Dynamik, Melodieverlauf oder auch musikalische Formen, wie z.B. Rondo.

Das Werkhören kann von einer Thematisierung des Komponisten und der Zeit entkoppelt sein, meist hängen diese beiden Aspekte jedoch zusammen. Besprochen wird also der Komponist hinter dem Werk sowie die zum Werk passende Zeit (Musikrichtung, aber auch Jahreszeit/Festlichkeit).

Um sich mit einem Werk auseinanderzusetzen kann das Werkhören in Verbindung mit produktiven Handlungen, wie das Ausdrücken der Gefühle durch Zeichnungen oder Bewegungen oder das Mitzeichnen von Melodieverlauf, Rhythmus oder Dynamik eingesetzt werden. Auch die „Handlung“ oder „Geschichte“, die ein Werk erzählt, kann durch Werkhören erarbeitet werden werden.

Vor allem zum Heranführen an das Werkhören eignen sich Musikstücke mit gut trennbaren Elementen, wie beispielsweise Peter und der Wolf (unterschiedliche Instrumente) oder Die 4 Jahreszeiten von Vivaldi (Verbindung von Musik und Jahreszeit). Werkhören muss geübt werden! Dabei bietet es sich an, einzelne Motive (zum Beispiel „Peter“ aus Peter und der Wolf) zunächst einzeln vorzuspielen und Eindrücke zu besprechen. Anschließend wird ein größerer Ausschnitt aus dem Werk vorgespielt und die Kinder stehen immer auf/heben die Hand, wenn sie das zuvor besprochene Motiv hören.

Insgesamt sollen die Schüler*innen so unterschiedliche Werke aus unterschiedlichen Epochen und Stilrichtungen kennenlernen.

Zudem sollen die Kinder die Funktion und Bedeutung von Musik (auch im Alltag) beschreiben können. Hierzu sollen sie Laienmusiker und Orchester live hören und anschließend mit den Musikern über die Bedeutung von Musik für deren Leben sprechen. Die Funktion von Musik wird ab der dritten Jahrgangsstufe thematisiert, wobei Musik in der Werbung, für Meditation oder zum Tanzen oder ähnliches besprochen werden soll.

Lernbereich 3

Bewegung-Tanz-Szene

Lernbereich 3 ist die wohl meist gefürchtetste Rubrik in Musik, denn viele Lehrkräfte fühlen sich hier nicht wirklich wohl. Oft fehlt Inspiration oder der Mut, Tänze oder Bewegungen auszuprobieren und zu improvisieren.

Kinder haben genau dieselben Ängste, die man ihnen durch langsames Heranführen nehmen kann. Vor allem in Stundenübergängen bietet es sich zum Beispiel an ein Lied abzuspielen und dazu Bewegungen zu machen (z.B. der Sportinator von Volker Rosin o.ä.). Die Kinder „tanzen“ bereits hier ohne es richtig zu merken.

Auch weitere Tänze zu Liedern und Musik unterschiedlicher Stile und Kulturen können durch Nachtanzen der Lehrkraft erlernt werden. Also ja, hier solltest du Tänze selbst lernen oder dir ausdenken. Berühmte Tänze, wie „Jerusalema“ von Master KG kannst du beispielsweise von Youtube-Videos lernen. Weitere Tänze findest du in Musikbüchern, auf Youtube oder im Internet, vor allem Tänze anderer Kulturen oder Volkstänze sind dort meist gut erklärt.

Denke daran: Die Kinder tanzen es so nach, wie du es vortanzt. Bist du also selbstbewusst, ausdrucksstark und zeigst Freude, werden es die Kinder auch haben. Also bitte keine Scheu!

Eine weitere Kompetenzerwartung ist das Erfinden von Tänzen. Dies gelingt beispielsweise in Gruppenarbeiten gut, wenn die Kinder von der Lehrkraft einige Ideen oder Tipps für „Tanzbausteine“ erhalten. Für Anfänger ist es leichter, wenn jede Bewegung 4 oder 8 Schläge lang ausgeübt wird (z.B. 4 Schritte vor, 4 mal winken o.ä.). Du kannst beispielsweise Bewegungsideen, die jeweils 4 Schläge lang sind auf Karten schreiben. Die Kinder in den Gruppen suchen sich dann Karten aus, legen diese in eine Reihenfolge und üben den Tanz. Später können sich die Schüler*innen auch eigene Bewegungen ausdenken und Improvisationsteile einbauen.

Musik kann soll in diesem Lernbereich szenisch umgesetzt werden, das heißt sie gestalten musikalische Spielszenen mit Tanz und Bewegungen. Nehmen wir als Beispiel wieder „Peter und der Wolf“: Hier können die einzelnen Figuren (Peter, Jäger, Ente usw.) durch passende Bewegungen oder Tänze gestaltet werden.

Zudem sollen die Kinder live oder via medialer Wiedergabe Tanzaufführungen bewusst erleben und Eindrücke wiedergeben. Auch hier empfiehlt sich ein vorangehender Arbeitsauftrag, um die Kinder auf das bewusste Ansehen eines bestimmten Aspekts der Aufführung zu leiten.

Lernbereich 4

Musik und ihre Grundlagen

In Lernbereich 4 geht es um Musiktheorie. Die Kinder sollen grafische Notationsformen und Noten (-werte) kennen und lesen lernen. Auch Taktarten, Pausenwerte und andere musikalische Zeichen und deren Bedeutung sollen erarbeitet werden. Wichtig dabei ist die Einführung und Verwendung musikalischer Fachbegriffe.

Auch das Kennenlernen von Instrumenten und Instrumentenfamilien ist in diesem Bereich angesiedelt.

Wie bereits erwähnt steht dieser Lernbereich selten isoliert von den anderen, denn Kinder merken sich Theorie besser, wenn sie diese auch umsetzen. Zum Beispiel sollte die Einführung der Notenwerte immer mit Rhythmusübungen an Körper oder Instrumenten verbunden sein, um diese vollständig zu verinnerlichen. Auch die Verwendung von Fachbegriffen kann nur in Zusammenhang mit dem Besprechen von Werken oder Liedern erprobt werden.

Das Kennenlernen von Musikinstrumenten ist ebenfalls nicht von Hörbeispielen zu trennen. Hier empfiehlt es sich auch die Eltern der Schüler*innen miteinzubeziehen. Viele Eltern spielen ein Instrument und sind auch bereit dieses in der Klassen vorzustellen. Daher ein kleiner Tipp: Frag einfach am Anfang des Schuljahres nach, wer ein Instrument vorstellen könnte. So sorgst du für ein unvergessliches Erlebnis für deine Schüler*innen.

Auch im Internet findest du gute Videos, wo Menschen ihre Instrumente kindgerecht vorstellen, zum Beispiel:

Nun hast du einen groben Überblick über Inhalte des Musikunterrichts an der Grundschule. Zum Schluss habe ich noch einen wichtigen Tipp für dich: Wenn du Spaß hast und begeistert bist, sind es deine Kinder auch! Also trau dich und probier auch mal Neues aus!

Viel Spaß beim Musizieren!

Quelle: LehrplanPLUS Bayern

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