Grundschullehramt studieren kann jeder, oder?

5 Voraussetzungen für das Studium

Über das Grundschullehramt ist die Meinung verbreitet, dass es wirklich jeder studieren kann. Viele meinen, dass man das bisschen Grundschul-Mathe und -Deutsch locker lernen kann und man dazu kein Studium braucht. Schließlich war ja jeder von uns in der Grundschule und sollte das eigentlich noch können, oder?

Solche oder ähnliche Aussagen habe ich mir schon zu Genüge anhören dürfen. Auch dass wir alle im Studium eh nur Mandalas malen, habe ich nun schon mehrmals gehört. Doch bekanntlich ist an jedem Klischee irgendetwas Wahres dran. An diesem also auch?

Und was muss man dann eigentlich für das Studium und den späteren Beruf können?

Dies soll dir an 5 Voraussetzungen, die du für den Studiengang Lehramt an Grundschulen mitbringen solltest, gezeigt werden:

5 Voraussetzungen:

1. Vielfältiges Interesse

Wenn du dich schon mal mit den Anforderungen für den Studiengang auseinander gesetzt hast, wirst du wissen, dass man dafür viele verschiedene Fächer studieren muss. Neben einem Unterrichtsfach (siehe dazu Link à Vorstellung U.fächer), muss man verpflichtend weitere Fächer belegen. Dazu gehören*:

  • Didaktik der Grundschule
  • Deutsch- und Mathedidaktik
  • Erziehungswissenschaften
  • Kunst, Musik oder Sport als zusätzliches Didaktikfach

Jedoch bekommt man in allen der sog. musischen Fächer zumindest eine kleine Grundausbildung während des Studiums.

Die Inhalte aller Unterrichtsfächer gehen jedoch weit über das hinaus, was man für den Beruf später können muss. Du siehst also, hierbei ist eher ein Allround-Talent gefragt.

Abiturienten, die eine spezifische Begabung für nur ein bestimmtes Fach haben, sollten sich gut überlegen, ob sie mit einem Grundschullehramtsstudium glücklich wären.

*Dies bezieht sich hauptsächlich auf das Studium an bayrischen Unis (für mehr Infos zum Grundschullehramts-Studium in München klicke hier, in Augsburg klicke hier, in Passau klicke hier, in Würzburg klicke hier, in Regensburg klicke hier, in Nürnberg klicke hier)

2. Organisation

Wie oben erwähnt, studiert man viele verschiedene Fächer. An Unis gehören diese jeweils verschiedenen Fakultäten an. Die Didaktik der Mathematik gehört zum Beispiel zum mathematischen Institut, während Grundschuldidaktik in den Zuständigkeitsbereich der Pädagogik fällt.

Du hast also verschiedene Kurse in unterschiedlichen Instituten und damit einhergehend auch oft in unterschiedlichen Gebäuden.

Besonders an größeren Unis musst du da den Überblick behalten und deine Semesterstunden gut organisieren, damit du nichts vergisst. An alle Organisations-Faulpelze unter euch: Legt euch genaue Listen an, wann ihr welche Kurse, Vorlesungen oder Praktika belegen müsst, damit nichts schief geht!

Das Organisieren hört dabei nach dem Studium nicht einfach auf – dann fängt es nämlich erst richtig an. Als Klassenlehrkraft solltest du am Besten eine gewisse Freude an organisatorischen Aufgaben mitbringen, sonst wird dich das ein Berufsleben lang belasten.

3. Kooperation

Als Student, wie auch als Lehrkraft, stehst du im ständigen Austausch mit anderen. Studieren bedeutet hier nicht nur allein in seinem Zimmer zu lernen – in den meisten Seminaren wird Kooperation und Zusammenarbeit mit anderen verlangt. Das kann bereichernd und schön sein, aber natürlich auch anstrengend.

Im Berufsleben wird die Fähigkeit zu kooperieren jedoch noch viel wichtiger. Du stehst dann nämlich in Kontakt mit:

  • Schülerinnen und Schülern
  • Eltern
  • KollegInnen und der Schulfamilie (HausmeisterIn, SekretärIn…)
  • Außerschulischen Ansprechpartnern (Jugendamt, Sozialarbeiter, Bibliotheken,…)

Der Punkt hängt natürlich auch mit 2. eng zusammen! Überlege dir genau, ob du dich damit überfordert fühlen würdest, oder es dir nicht sogar Spaß macht.

4. Vorliebe für das Unterrichten

Dieser Punkt erklärt sich von selbst, denkst du dir? Naja eigentlich ist es gar nicht so leicht herauszufinden, ob es einem persönlich Spaß macht vor einem Haufen lärmender Kinder tagtäglich zu stehen.

Nach dem Abitur hast du vielleicht noch nicht viele Erfahrungen im Umgang mit Kindern sammeln können und das Orientierungspraktikum vor Beginn des Studiums hilft auch nicht unbedingt weiter?

Du hast am Anfang meist leider nur die Chance genau in dich zu gehen und dir zu überlegen, ob du mit dem Schulalltag zurechtkommen würdest:

  • Vorbereiten von Unterricht (Erstellen von Unterrichtsstunden, Vorbereiten von Materialien, Einarbeitung in verschiedene Themen mit Hilfe von Literatur)
  • Erstellen von Proben und Beobachtung der Schülerinnen und Schüler
  • Schreiben von Zeugnissen/Durchführung von Lernentwicklungsgesprächen
  • Organisation von Ausflügen, Fahrten, Projekten
  • Kooperation (s. Punkt 3.)
  • Ansprechpartner für Sorgen und Probleme der Kinder sein
  • Erziehung (Einhaltung von Regeln, Verhalten bei Streitigkeiten…)
  • Und natürlich das Unterrichten in der Klasse an sich

5. Durchhaltevermögen

Grundschullehramt kann jeder oder? Fünf Vorraussetzungen für das Studium

Der Weg vom Abiturient zur verbeamteten Lehrkraft ist lang und beinhaltet im Wesentlichen drei große Meilensteine:

  1. Studium: verschiedene Fächer studieren, Praktika absolvieren, Zulassungsarbeit schreiben und zuletzt das Staatsexamen bestehen (gilt hauptsächl. für Bayern).
  2. Referendariat: Das bedeutet zwei stressige Jahre, in denen du hospitierst, selbst unterrichtest, ein Seminar besuchst und das zweite Staatsexamen absolvierst
  3. Verbeamtung: Zwar ist das der am wenigsten Zeitaufwändige der drei Schritte, er hat jedoch große Auswirkungen auf dein Berufsleben. In der Regel wirst du im zweiten Jahr nach der Beendigung des Referendariats verbeamtet. Dafür zeigst du nochmals Unterrichtsstunden in deiner Klasse (gilt hauptsächlich für Bayern)

Fazit

Du siehst, es wird keine Kaffeefahrt werden, bis du endlich fertige Lehrerin/fertiger Lehrer bist.

Dennoch denke ich, dass Stress zu jedem Studium und zu jedem Berufsanfang dazugehört. Der Weg hier ist nur anders, als beispielsweise der Weg eines BWL-Studierenden in ein Unternehmen.

Abschließend sei angemerkt, dass das Wichtigste ist, dass du dabei Spaß hast und du dir ganz sicher bist, dass das dein Traumberuf ist, oder er zumindest nahe herankommt.

Grundschullehrkraft zu sein, bedeutet manchmal auch Ereignisse mit nach Hause zu nehmen, die dich nicht leicht loslassen.

Auch wenn man im Studium nicht stundenlang vor Physikformeln sitzt oder seitenweise Paragraphen auswendig lernen muss, einfach ist es trotzdem nicht.

Und übrigens: Mandalas malen musste ich im Studium wirklich noch nie!

Weitere Informationen

Videos zur Eignungsreflexion

Grundschullehramt Übersicht LMU München

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