Elternabende organisieren und gestalten

Elternabend – Wie geht das?

Elternarbeit ist ein wichtiger – leider oft unterschätzter – Teil unserer Lehrertätigkeit. Wir werden viel zu wenig darauf vorbereitet, sowohl im Studium als auch im Referendariat.

Um „gut rüberzukommen“ und die Eltern als wichtigste Mitarbeiter/innen auf unserer Seite zu haben, brauchen wir nur wenige Punkte zu beachten.

Elternabende organisieren und gestalten

Inhaltsverzeichnis

  1. Allgemeines
  2. Planung
  3. Ablauf
  4. Umgang mit Kritik
  5. Ziele

1. Allgemeines

Persönliche Einstellung:

Die sieht man zwar nicht, die Eltern spüren sie jedoch.

Die Kinder sind dir anvertraute und in deinem Bereich auf dich angewiesene Wesen. Egal, was sie an kognitiven oder charakterlichen Besonderheiten mitbringen – sie können erst mal nichts dafür.

Behalte im Hinterkopf: Die Eltern wollen nur das Beste für ihre Kinder. Dabei vergessen Eltern unabsichtlich und ohne es zu merken, dass wir als Lehrkräfte viele Kinder haben und nicht nur eines. Mit dieser, oft absonderliche Blüten treibenden Eigenart positiv umzugehen, ist für mich der schwierigste Teil unseres Jobs.

In diesem Bereich eine positive, zugewandte Einstellung zu finden, ist eine Schlüsselaufgabe für unsere Arbeit, wenn wir sie die nächsten Jahrzehnte mir Freude und möglichst ohne psychische Stolperstellen erledigen wollen.

Umgang mit Kritik:

Egal mit welcher Begeisterung man sich engagiert: Es ist nur ein Job. Wenn du kritisiert wirst, wird kritisiert, wie du arbeitest, NICHT wie du bist. Als Lehrer/innen stehen wir ständig unter Beobachtung von allen Seiten – von Eltern, von der Schulleitung und im Referendariat auch noch von der Seminarleitung. Auf der einen Seite ist es äußerst unangenehm immer öffentlich sichtbar zu arbeiten – jeder Fehler wird sofort wahrgenommen. Auf der anderen Seite ist es eine tolle Chance, sofort mitgeteilt zu bekommen, was nicht gut läuft. Diese positive Einstellung kann helfen, nicht bodenlos enttäuscht zu sein, wenn das Engagement nicht gesehen wird, sondern nur Fehlersuche betrieben wird (Im Laufe der Jahre habe ich es zwar geschafft, nicht mehr am Boden zerstört zu sein, wenn Kritik kommt, aber damit zu kämpfen habe ich immer noch). Es lohnt sich durchaus, das Thema der eigenen Einstellung bewusst anzugehen.

Tue Gutes und rede darüber:

Viele Eltern haben Kinder, die nicht mitteilungsfreudig sind. Sie erfahren auch auf Nachfrage selten etwas aus dem Schulalltag ihrer Kinder. Umso dankbarer sind sie, wenn man etwas über den Schulvormittag erzählt oder zeigt – kleine Andekdoten, Bilder oder Werkstücke, Konfliktsituationen und wie sie entschärft wurden, alltägliche Pausensituationen, Projekte und Aktionen, Beschreibungen aus dem Unterricht. Das alles natürlich, ohne Namen zu nennen oder jemanden bloßzustellen. Das Schöne daran: Hier hast du ein Publikum, dass dir interessiert zuhört, wenn du begeistert von deiner Arbeit erzählst.

Dabei kannst du den Eltern deine positive Einstellung, dein Engagement und deine Kompetenz quasi nebenbei näherbringen.  Meiner Erfahrung nach wirkt es auf Eltern sehr beruhigend zu wissen, was ihr Kind den ganzen Vormittag über so treibt. (Um dieses Gefühl der Offenheit noch zu verstärken, lasse ich meine Klassenzimmertüre übrigens vormittags immer offen. Das passt jedoch –  je nach örtlichen Gegebenheiten – nicht immer; es lohnt sich aber, es mal auszuprobieren.)

2. Planung

Die Einladung zum Elternabend sollte rechtzeitig, mit Rücklauf erfolgen und in ganz einfachen Worten gehalten sein. Ansonsten besteht die Gefahr, Eltern mit Migrationshintergrund schon im Vorfeld zu entmutigen. Außerdem sollte sie unbedingt den Hinweis enthalten, dass sich verhinderte Erziehungsberechtigte um Information über die Inhalte selbst kümmern müssen.

Ein Ablaufplan in Stichpunkten hilft, den Überblick zu behalten.

Zur Planung gehört auch ein zeitliches Limit. Wenn ich 60 Minuten einplane, werden es mit Zeitpuffer und anschließender Diskussion meist 90 Minuten. Alles was länger dauert, überfordert meiner Erfahrung nach alle Beteiligten.

Eine Anwesenheitsliste hilft, den Überblick zu bewahren – gerade, wenn einem die Namen noch nicht so geläufig sind. Bezüglich der abwesenden Eltern frage ich nach, wer die Informationen übermitteln könnte. Das vermerke ich auf meiner Anwesenheitsliste, die ich auch hinten in die Mappe mit meinen Schülerbeobachtungen einhefte. Dazu lege ich auch noch die Tagesordnung ab. Bei Elterngesprächen habe ich im Bedarfsfall alles parat.

Sitzordnung:

Ich habe schon vieles ausprobiert. Bewährt hat sich die frontale Sitzweise – Eltern an den Platz der Kinder, Lehrer/in steht vorne. Zum einen ist dadurch klar, wer „Chef/in“ ist, zum anderen ist es dann datenschutzrechtlich nicht so schlimm, wenn die Eltern unter der Bank in Heften usw. rumkramen (und das tun viele!!) –  es sind ja die Materialien ihrer eignen Kinder.

Ich weise die Eltern gleich beim Betreten darauf hin, dass sie am Platz ihrer Kinder sitzen dürfen. Ein eventuell für diesen Anlass gestaltetes Namensschild hilft.

Sonderfälle:

Oft haben wir Schülereltern, die getrennt oder geschieden sind und gemeinsames Sorgerecht haben. Häufig sind die nicht im Haushalt lebenden Elternteile jedoch von jeglicher Information bezüglich Schule abgeschnitten. Als Lehrer/innen werden wir oft mit wüsten Schilderungen über die Expartner/in konfrontiert. Es steht uns nicht zu, zu werten oder zu urteilen. Wir sollten uns nicht vor irgendeinen Karren spannen lassen – wir haben nicht die nötigen Informationen, um die Situation zu beurteilen.  Wenn gemeinsames Sorgerecht besteht, ist das ein Recht, dem wir in unserem Bereich Geltung verschaffen sollten – ohne Wertung und zum Wohle des jeweiligen Kindes. Aus diesem Grunde biete ich an, die getrennt lebenden Elternteile mit allen schriftlichen Informationen zu versorgen, die die Schule ausgibt: Elternbriefe, Einladungen zu Schulfesten, diverse Infos zu Schulausflügen, OGTS, Projekten, kurz gesagt eben alles Schriftliche. Voraussetzung ist, dass ich dafür frankierte und adressierte Umschläge bekomme. Das Verschicken ist dann nur noch ein minimaler Aufwand. (Übrigens hat sich bewährt, in solchen Fällen Elterngespräche nur mit beiden Eltern zu führen. Gegebenenfalls kann ein Elternteil per Telefon und Lautsprecher zugeschaltet werden.)

Eltern mit Sprachschwierigkeiten sollten persönlich ermutigt werden, am Elternabend teilzunehmen. Es lohnt sich, diese Eltern anzusprechen oder anzurufen und einzuladen. Auch wenn sie nicht viel verstehen, fällt es leichter, sie in die Elterngemeinschaft zu integrieren und Berührungsängste zu nehmen.  Unsicherheiten von allen Seiten können so gemindert werden. Es kann – je nach Situation- hilfreich sein, die deutschsprachigen Eltern zu bitten, sich um diese Eltern zu kümmern. Nicht nur für die Kinder, auch für die Eltern haben wir Vorbildfunktion: Wenn wir offen und unkompliziert mit der Situation umgehen, steckt das oft an.

3. Ablauf

Begrüßung:

Viele Menschen haben noch aus ihrer eigenen Schulzeit Berührungsängste mit der Schule. Diese Unsicherheit kann man gleich am Beginn mit einer persönlichen Begrüßung an der Klassenzimmertüre etwas entschärfen.

Wenn ich von allen Eltern die Einverständniserklärung für Fotos und Werkstücke habe, lasse ich zum Ankommen gerne eine Diashow mit Fotos von Ausflügen, Aktionen und Werkstücken durchlaufen. Das lockert auf und gibt Gesprächsstoff.

Einige Minuten nach der geplanten Zeit eröffne ich den Elternabend mit einer kurzen Begrüßung und dem Überblick über die Inhalte.

Im Anschluss daran haben sich verschiedene Maßnahmen zum Auflockern der Atmosphäre bewährt:

Beim allerersten Elternabend dürfen sich die Banknachbarn beispielsweise kurz gegenseitig interviewen. Ziel ist es, in der Kennenlernrunde den Nachbarn vorzustellen. So lernen sich die Eltern kennen und die Lehrer/in ist etwas entlastet.

Um das Eis zu brechen kann auch das Begrüßungsritual, das in der Klasse verwendet wird, hilfreich sein. Die meisten Eltern machen da gerne mit.

Interessant ist auch, die Eltern reihum einen Satz zu einem bestimmten Thema sagen zu lassen, z.B Schule, Ferien, Hausaufgaben, zu meiner Schulzeit damals….. Besonders eifrige Eltern dürfen dabei auch vorsichtig gestoppt werden, da der zeitliche Rahmen sonst gesprengt wird.

Ist-Zustand:

Ein kurzer Bericht über den Zustand der Klassengemeinschaft und über Fortschritte kann sich jetzt anschließen.

Kurzer Überblick, was bis jetzt passiert ist, geschafft wurde,….

Aktuelles wie Projekte, besondere Vorkommnisse, Schulsituation (z.B. Renovierungsarbeiten,….) sind vor allem für Eltern interessant, deren Kinder eher verschwiegen sind.

Lerninhalte:

Die Fächer schildere ich nacheinander: Inhalte, noch Geplantes, worauf die Eltern achten müssen, wie sie die Kinder unterstützen können und sollen, was mir wichtig ist. Hier bietet sich an, etwas aus dem Unterrichtsalltag aufgebaut zu lassen, zum Beispiel Stationen, ein ansprechendes Tafelbild, Lernspiele…. Zum einen ist es für die Eltern überaus informativ, zum anderen wirkt es sehr auflockernd. Viele Eltern sind überrascht, wie kindgerecht und ansprechend Unterricht sein kann.

Durch die Schilderung der Inhalte erhalten die Eltern auch einen Eindruck meiner Kompetenz als Lehrerin. Ich ermuntere die Eltern, Fragen gleich zu stellen, wenn sie sich ergeben, da ich dann die Zeitplanung besser im Griff habe.

Hausaufgaben sind ein wichtiges Thema, das in jeden Elternabend gehört. Ich frage gerne nach, ob die Kinder immer wissen, was zu tun ist, ob der Umfang passt usw. Die Diskussion, die sich daraus ergibt, muss man ggf. dann wieder einfangen, falls zu persönliche Einzelheiten erzählt werden. In so einem Fall hilft es, freundlich darauf hinzuweisen, dass man Genaueres in der Sprechstunde klären könnte. 

Nicht vergessen sollte man den Dank an die Eltern für die Unterstützung bei den Hausaufgaben. Sie sind keine Pädagogikprofis und kommen oft an ihre nervlichen Grenzen. Es tut den Erziehungsberechtigten gut, wenn dieses Engagement gesehen wird.

Außerdem kann man hier über alles, was rund um Schule noch wichtig ist, reden. Die Besprechung gemeinsamer Unternehmungen, Feste und Projekte hat hier ebenfalls ihren Platz.

Zum Schluss stelle ich gern noch die Frage, was anders werden soll, was sich die Eltern wünschen, etc. Auf diese Weise können schwierige Themen entdeckt werden, bevor sie in der Elternschaft hochkochen.  Das notiere ich mir gleich auf meiner Tagesordnung – dann habe ich eine Gedächtnisstütze und die Eltern sehen, dass ich sie ernstnehme.

Wichtig finde ich auch immer den Dank an den Elternbeirat oder engagierte Eltern.

4. Umgang mit Kritik

Egal wie wir uns engagieren: Immer wieder gibt es unzufriedene Eltern, die auch sehr unangenehm oder sogar aggressiv und respektlos auftreten und sich im Ton vergreifen. Schnell kann dann die Stimmung an so einem Abend kippen und man ist dann in der Rolle, sich verteidigen zu wollen. Der Umgang mit solch einer Situation erfordert etwas Fingerspitzengefühl. Wir sollten die Kritik ernstnehmen, evtl. Rückfragen zeigen, dass wir die Problematik erfasst haben. Gegebenenfalls hilft es auch zu erklären, was man sich bei bestimmten Maßnahmen, Vorgehensweisen usw. gedacht hat. Aber man sollte tunlichst versuchen, nicht in eine Verteidigungshaltung zu kommen. Je nach Situation helfen bei emotionalen oder aggressiven Eltern auch Gegenfragen:

Wie hätten Sie es sich gewünscht. Was hätten Sie anders gemacht? Warum habe ich das ihrer Meinung nach gemacht? Häufig reagieren dann die anderen Eltern positiv und die Lehrer/in ist etwas entlastet.

Hilfreich kann auch sein, die anderen Eltern zu fragen: Empfinden Sie das auch so?

Diese Frage erfordert allerdings etwas Mut, da ja immer die Gefahr besteht, dass die Eltern dies mehrheitlich bejahen könnten.  Ich selbst habe diese Möglichkeit erst sehr spät entdeckt und noch viel später Gebrauch davon gemacht. Ausnahmslos immer habe ich festgestellt, dass die anderen Klasseneltern nicht hinter diesen übermäßig kritischen Eltern stehen. Häufig hat sich dadurch sogar eine gute Diskussion ergeben, was verbesserungsbedürftig ist, aber sehr oft auch, was alles gut läuft.  

5. Ziele des Elternabends

Ziel eines Elternabends ist es, Eltern zu überzeugen, dass ihr Kind bei uns in guten Händen ist, sie sich also keine Sorgen machen müssen.

Außerdem können wir hier Werbung für uns und unser „Kerngeschäft“, nämlich den Unterricht samt Leistungsanforderung, machen. Unser Schulsystem ist so aufgebaut, dass wir die Eltern brauchen, um die Kinder zu unterstützen. Für den Schulerfolg der Kinder sind zu einem Teil auch die Eltern verantwortlich. Wir sollten es als unsere Aufgabe betrachten, sie mit ins Schulboot zu holen.

Die positive, zugewandte Atmosphäre, die wir schaffen, ist eine wichtige Voraussetzung dafür.

Allerdings ist es auch wichtig, dass die Eltern uns – unabhängig von Alter und Erfahrung – respektieren und uns vertrauen. Auch dazu kann ein Elternabend wesentlich beitragen.

Abschließend noch ein Tipp: Endlich interessiert sich mal jemand in allen Details für unsere Arbeit – genieße es. Versuche, den Elternabend nicht als Belastung, sondern als Bühne oder Werbeplattform für deine Tätigkeit zu sehen.

Viel Erfolg und Bühne frei 😊!

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