Petzen oder Hilfe holen

In der täglichen Arbeit mit Grundschulkindern begegnen wir immer wieder Situationen, in denen Kinder uns etwas „wichtiges“ sagen. Dabei ist es wichtig, zwischen Petzen und Hilfe holen zu unterscheiden – und auch den Kindern diesen Unterschied verständlich zu vermitteln. Nur so können sie lernen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, ohne sich gegenseitig zu belasten oder zu verunsichern. Denn unser Ziel ist es immer, einen Ort zu schaffen, an dem sich alle Lernenden wohlfühlen können.

Was bedeutet Petzen?
Petzen meint das Weitergeben von Informationen oder kleinen Verstößen, die keine Gefahr darstellen, niemandem schaden und die Kinder selbst lösen könnten. Oft steckt dahinter der Wunsch nach Aufmerksamkeit, Gerechtigkeit oder dem Bedürfnis, sich selbst in ein besseres Licht zu rücken.
Typische Merkmale des Petzens
- Es geht um Kleinigkeiten.
- Das Kind möchte, dass ein anderes Kind Ärger bekommt.
- Die Situation ist nicht gefährlich.
- Das Kind könnte den Konflikt selbst klären.
- Das Erzählen hat keinen Nutzen für die Gruppe.
Beispiele für Petzen

- „Der Paul hat gesagt, ich soll schneller laufen!“
- „Die Lea hat beim Aufräumen nur zwei Sachen weggeräumt!“
- „Der Jonas ist im Flur kurz gerannt!“
In solchen Fällen geht es meist um Alltagskonflikte, die Kinder ( evtl. mit etwas Unterstützung, zum Beispiel der Friedensbrücke) selbst lösen können.
Was bedeutet Hilfe holen?
Hilfe holen meint das Weitergeben von Informationen, wenn eine Situation gefährlich, verletzend, ungerecht oder überfordernd ist – also wenn ein Kind nicht allein damit umgehen kann oder darf. Hier zeigt das Kind Verantwortungsbewusstsein und schützt sich oder andere.
Typische Merkmale des Hilfe Holens
- Jemand ist in Gefahr oder könnte verletzt werden.
- Ein Kind wird geärgert, ausgeschlossen oder bedroht.
- Es gibt eine Regelverletzung mit Folgen.
- Das Kind fühlt sich überfordert oder hat Angst.
- Das Eingreifen einer Lehrkraft ist notwendig, um Schaden zu verhindern.
Beispiele für Hilfe holen

- „Zwei Kinder schubsen sich heftig auf dem Pausenhof.“
- „Die Mia wird von mehreren Kindern ausgelacht und weint.“
- „Der Ben hat gesagt, er will niemanden mehr sehen und ist weggelaufen.“
- „Ein Kind wirft Steine in Richtung anderer Kinder.“
- „Die Lara hat sich verletzt und blutet.“
Hier ist es wichtig, dass Kinder wissen: Ich darf und soll mir Hilfe holen.
Warum ist der Unterschied wichtig?
Kinder müssen lernen, Konflikte selbstständig zu lösen, aber gleichzeitig auch erkennen, wann sie Verantwortung übernehmen und Hilfe holen müssen. Wir können diesen Prozess unterstützen, indem wir:
- den Unterschied regelmäßig thematisieren,
- klare Beispiele geben,
- Rollenspiele durchführen,
- und Kinder für mutiges Hilfe holen ausdrücklich loben.
So entsteht eine Klassengemeinschaft, in der Kinder sich sicher fühlen und gleichzeitig lernen, Konflikte eigenständig zu bewältigen.
Um den Unterschied zu verdeutlichen, habe ich Material für das Klassenzimmer erstellt. Ich freue mich, wenn es euch hilft!
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