Die Nacherzählung am roten Faden

Ich habe in meinen letzten beiden Klassen ausprobieren können, wie man eine Nacherzählung am roten Faden gestalten kann. Dabei war mir wichtig, dass die Kinder viele Kompetenzen erlernen bzw. vertiefen, ohne dass ich als Lehrkraft einen (über ein normales Maß) hohen Vorbereitungsaufwand habe. Daraus sind ein paar erfolgreiche Unterrichtsstunden entstanden, aus deren Erfahrung ich hier gerne berichten möchte.
Am Ende des Beitrags findest du Links zu dem Material, mit dem ich gearbeitet habe.
Mein Ziel war es, die Kompetenzbereiche aus Sprechen und Zuhören und Schreiben zu verbinden und letztendlich eine schriftliche Nacherzählung zu schreiben.
Das heißt, die Kinder hören eine Geschichte, erzählen diese nach und schreiben die Geschichte anschließend in eigenen Worten auf.
Zuhören –> Mündliches Nacherzählen –> Schriftliches Nacherzählen –> Überarbeitung
Meine Wahl fiel schnell auf die Textsorte Fabel. Vorteile sah ich in der relativen Kürze der Texte sowie in einem immer gleichen Aufbau. Außerdem sind die Protagonisten zumeist Tiere, es wird viel wörtliche Rede verwendet und die Kinder müssen auch auf der Metaebene den Text verstehen (Lehre/Moral der Fabel).
Kurze Texte, Tiere als Protagonisten, viele Dialoge, Lehre/Moral
So bin ich nacheinander vorgegangen:
Zunächst habe ich die Textsorte eingeführt. Dazu habe ich eine Fabel vorgelesen, die Kinder wiederholten den Inhalt. Nach dem Vorlesen einer zweiten Fabel, sollten Ähnlichkeiten mit der ersten herausgefunden werden (kurzer Text, sprechende Tiere, Streit, Lehre…). Diese Merkmale haben wir besprochen und in einem Hefteintrag festgehalten.
Vergleich zweier Fabeln, Merkmale als Hefteintrag
In der nächsten Stunde habe ich die zweite Fabel (aus der letzten Stunde) nochmals vorgelesen. Die Kinder sollten kurz in Partnerarbeit wiederholen, was der Inhalt der Fabel war (Aktivierung aller Kinder). Im Anschluss hängte ich einen langen roten Faden (rote Kordel) an die Tafel und befestigte daran Wortkarten mit den wichtigsten Teilen der Fabel (Anfang, Streit, Wendepunkt, Schluss, Lehre –> siehe Material zum Download unten). Gemeinsam wurde die Fabel nacherzählt. Dabei besprachen wir auch die Bedeutung des roten Fadens, diese Idee habe ich bei Beate Leßmann gefunden. Bereits von Anfang an legte ich ein besonderes Augenmerk darauf, die Fabel in eigenen Worten und mit wörtlicher Rede nachzuerzählen.
Roter Faden, Verwendung eigener Worte und wörtlicher Rede
Die Grundlage war damit gelegt. Für die nächste Unterrichtsstunde zur Fabel „Der Fuchs und der Storch“ von Äsop zeichnete ich Bilder der wichtigsten 5 Szenen und druckte diese auch in kleinem Format aus. Ich legte je 5 kleine Bilder und einen roten Faden in eine große Streichholzschachtel (insgesamt so viele Schachteln, dass die Kinder sich zu zweit eine teilen konnten). Das war der Teil, der sich am meisten lohnte, aber davon gleich mehr.

Dieser Aufbau der Stunde hat sich für mich bewährt: Ich las die Fabel vor. Anschließend besprachen wir kurz, worauf es bei einer Nacherzählung ankommt (wörtliche Rede, nichts dazuerfinden etc.). Nun bekamen immer zwei Kinder eine Schachtel. Sie sortierten die Bildchen richtig an den roten Faden und erzählten abwechselnd und mithilfe der Bilder nach.
Dabei hat mich besonders beeindruckt, wie gut die Bilder funktionierten – als Gedächtnisstütze und als Aufforderung, lebendig zu erzählen. Das war neu, denn beim ersten Mal hatte ich keine Bilder! Die Kinder versetzten sich dadurch besser in die Fabelhandlung hinein und erzählten spannend, betont und lebendig. Natürlich kann man als Lehrkraft an einigen Stellen das Ergebnis positiv verstärken, durch viel Lob an passenden Stellen! Ebenfalls geholfen hat eine Präsentationsrunde – freiwillig, an der Tafel mit den großen Bildern und mit Lob aus dem „Publikum“ am Ende (Die Aufgabe war sich zu melden und mitzuteilen, was bei der gerade gehörten Nacherzählung richtig gut gelungen war).

Dann ging es in den nächsten beiden Stunden einen Schritt weiter. Auf einem Arbeitsblatt wurden Stichpunkte zu den Szenen aufgeschrieben (Planung) und anschließend als Nacherzählung in ganzen Sätzen verfasst (auch auf einem AB). Dabei wurde als Hilfe das jeweils passende Bild eingeklebt und daneben der Text geschrieben. Auch hier wurde wieder präsentiert und gelobt (Achtung: Erzählzeit Präteritum, Satzzeichen bei der wörtlichen Rede sowie die Überschrift wurden anfangs oft vergessen).

Zuhören, Bildkarten, Planung mit Stichpunkten, Schreiben, Präsentieren, Überarbeiten
Genau diesen Aufbau (Zuhören, Bildkarten und Erzählen, Stichpunkte, Schreiben, Präsentieren) habe ich nochmal mit einer anderen Fabel durchgeführt. Das Ergebnis waren tolle Nacherzählungen von motivierten Kindern.
Das war außerdem hilfreich:
- Wortschatzarbeit (Adjektive, Satzanfänge und Wortfeld sagen)
- Überarbeitung mit der Schreibkonferenz (kostenloses Material auf dem Blog)
- Wiederholung Präteritum und Satzzeichen der wörtlichen Rede
Wie erwähnt, habe ich aus meiner Erfahrung Material erstellt und immer wieder angepasst. Daraus sind Bildkarten, ABs, Wortkarten und Hinweise zur Planung zu zwei verschiedenen Fabeln entstanden. Dieses Material findest du hier (Eigenwerbung):
Die Wortkarten für die Tafel kannst du hier downloaden:
Vielleicht habt ihr ja auch Lust, eine solche Sequenz durchzuführen. Ich bin nachhaltig begeistert, wie viele Kompetenzen gleichzeitig und fast spielerisch vertieft werden. Viel Spaß beim Ausprobieren! 🙂
Viel Spaß
Eure Miriam
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